Räumpflicht
Nach längerem Gezerfe gebe ich dem Mann nach, der mir vorgeschlagen hat, meine Werkstatt-Vermieterin anzurufen, um zu fragen, wie die Schneesituation vor der Werkstatt ist und ob ich überhaupt kommen und schippen muß.
Sie sagt freundlich: Gut, daß ich anrufe; es gehe bestimmt auch so, man könne halbwegs laufen und ich könne mir das Räumen sparen.
Was ich mich jetzt frage (nachdem der Mann mich gefragt hat):
Warum erscheint es mir komplett unzumutbar, sie anzurufen (obwohl sie mir das schon öfter angeboten hat und erwiesenermaßen sehr nett ist), und deutlich "einfacher", mich stundenlang mit nicht fahrenden öffentlichen Verkehrsmitteln und knietiefem Schnee auseinanderzusetzen, dann dort erfolglos ein bißchen auf dem Gehweg rumzukratzen und wieder heimzukriechen?
So unzumutbar, daß ich eine halbe Stunde lang mit dem Mann streite, um ihn davon zu überzeugen, daß ich sie auf keinen Fall anrufen und stören kann?
Sie sagt freundlich: Gut, daß ich anrufe; es gehe bestimmt auch so, man könne halbwegs laufen und ich könne mir das Räumen sparen.
Was ich mich jetzt frage (nachdem der Mann mich gefragt hat):
Warum erscheint es mir komplett unzumutbar, sie anzurufen (obwohl sie mir das schon öfter angeboten hat und erwiesenermaßen sehr nett ist), und deutlich "einfacher", mich stundenlang mit nicht fahrenden öffentlichen Verkehrsmitteln und knietiefem Schnee auseinanderzusetzen, dann dort erfolglos ein bißchen auf dem Gehweg rumzukratzen und wieder heimzukriechen?
So unzumutbar, daß ich eine halbe Stunde lang mit dem Mann streite, um ihn davon zu überzeugen, daß ich sie auf keinen Fall anrufen und stören kann?
madove - 26. Dez, 10:30
Heiligabend bei Muttern, wir sind mit einer fast pünktlichen Bahn trocken und warm angekommen. Während die einen den Baum fertig schmücken, die anderen dem Konsolenspiel frönen und der Rest sich in der Küche im Weg steht, klingelt ein zierliches junges Mädchen an der Haustür. Die Straße ist im Wohngebiet aus Einfamilienhäusern, nicht geräumt und es gibt eine festgefahrene Spur in der Mitte der Straße - die aber nicht zu befahren ist, weil die Nachbarn schon am Straßenrand parken. Das Mädchen bittet, die Autos wegzufahren, damit sie und ihr Freund durchkommen. Die Nachbarsenkel und ich schnappen uns Schneeschaufeln und Besen und machen lieber die andere Straßenhälfte frei, damit mehr Leute parken und mehr Leute vorbeifahren können. Das Ganze dauert keine 5 Minuten, danach freuen sich alle über die gemeinsame Leistung, wünschen sich einen schönen Weihnachtsabend und führen diesen fort.
Alle außer meiner Mutter, die sich an der Unterbrechung nur beteiligte, indem sie von der Haustür aus an niemand bestimmten gerichtet lautstrak verkündete, wie frech sie das Klingeln am Heiligabend fände, nur weil jemand nicht Auto fahren kann - die verfiel auch 2 Stunden später noch aus heiterem Himmel wieder in ihr Geschimpfe.
Ich weiß nicht, wie deine Mutter ist - aber es gibt vielleicht jemanden in deinem Umfeld mit starkem Einfluss, der ebenfalls dazu neigt, sich über die simpelsten und unverständlichsten Auslöser so sehr aufzuregen, dass du dich meditative Zurückhaltung gelehrt hast und auch bei den plausibelsten Gründen zu solchen Anrufen überlegst, ob du übergriffig sein könntest.
Krass, kein Wunder, wenn man dann denkt, man dürfe niemanden stören...!
Ich habe noch nicht komplett raus, wie ich auf diese Idee komme, aber ich denke, es ist in der Familie einfach stark vorgelebt worden, und die Tugend der Rücksichtnahme ein wenig überbetont *hüstel* ... Ich suche noch ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen meinen Interessen und denen anderer Leute.