Unnötig kompliziert

Montag, 16. Mai 2011

Zum Glück nur Spam

Als Teenager hatte ich keine echten, sondern nur viele Brieffreunde. Deshalb habe ich immer mit großer Vorfreude und Aufregung als allererstes in den Briefkasten geschaut, wenn ich heimkam. Post war gut, keine Post war nicht gut.

Zum Erwachsenwerden hat einerseits gehört, daß im Briefkasten auch Rechungen, irgendwelche gruselige Ämterpost und sonstige anstrengende Dinge lauern, daß also keine Post zunächst mal keinen Ärger bedeutet. Der Gang zum Briefkasten ist deutlich weniger beschwingt.
Und andererseits redete mir niemand mehr in mein Telefonverhalten rein, ich habe mich also meistens über das Telefonklingeln gefreut, versprach es doch ein schönes Gespräch mit netten Leuten.

Spätestens, seit ich arbeite, zucke ich beim Telefonklingeln panisch zusammen, da hängt zu oft Arbeit dran, oder ungeduldige Kunden, oder irgendein Handwerker, oder irgendeine Bürokratie. Naja, das Zusammenzucken hab ich zugegebenermaßen schon ein bißchen länger, seit einer unwürdigen Phase vor knapp 10 Jahren, in der ich mich nicht zwischen zwei Männern entscheiden konnte, zu feige war, ihnen voneinander zu erzählen, und deshalb, wie soll ich sagen, zwei Jahre lang organisatorisch ziemlich herausgefordert war.
Und auch die Handynummer, die am Anfang nur Freunde und Familie hatten, habe ich ein paar mal in besonderen Fällen auch Ämtern, Handwerkern oder Kunden gegeben, seither gilt das Zusammenzucken auch fürs Handy.

Warum ich das alles schreibe: Nach vielen Jahren, in denen ich eine Menge von Freundschaften, soweit nicht vor Ort, fröhlich per eMail aufrechterhalten habe und mich beim Öffnen von Thunderbird eigentlich immer nur vorfreudig gefragt habe: "Hab ich vielleicht eine schöne mail? Oder ist es wieder nur Spam?", ist mir gerstern zum ersten Mal aufgefallen, daß ich, als der Spamfilter alle neuen Mails weggeräumt hatte, erleichtert dachte "Zum Glück war das nur Spam!"....

Wo soll ich denn noch hinfliehen?
Zu Facebook? :-P
Und wie lange dauert es, bis mich das Bauamt, meine Kunden, die Mieter, die Autowerkstatt, der Schornsteinfeger und die Arztrechnungen auch da finden?

Sonntag, 24. April 2011

Versuch

Nachdem der MannTM sich das letzte Mal über rumschwimmende Nelken im ragù beschwert hat, gibt es diesmal mit Igeln. Mal schauen, ob das so klappt.

Knoblauchzehen mit Nelken gespickt

Dienstag, 12. April 2011

zurück

und so unglaublich unfaßbar müde wie schon seit Jahren nicht mehr. Nach...

- 13 Stunden Fahrt mit den erwarteten intensiven Gesprächen* mit dem Mann,
- kaum Schlaf,
- 3 Stunden Fahrt,
- 7 Stunden intensiver Gespräche mit der Onkelfamilie über Politik, das Sterben und den Tod (aus gegebenem Anlaß, immerhin war es eine Art Abschiedsbesuch), die Liebe und Mathematik,
- 5 Stunden intensiver Gespräche mit V. und G. über Politik, die Liebe und das Leben als lesbisches Paar in Italien,
- kaum Schlaf,
- weiteren 5 Stunden instensiver Gespräche mit den Onkelfamilie
- 3 Stunden Fahrt
- krassem Kulturschock durch die komplett hirnlose Oberflächlichkeit der Gespräche mit der Schwiegermutter
- kaum Schlaf
- 13 Stunden Fahrt mit intensiven Gesprächen mit dem Mann, die aufgrund beidseitiger Erschöpfung irgendwann in genervtes Gezerfe übergehen

...war heute ein voller Arbeitstag mit 33(?!) Anrufen echt das Letzte, was ich gebraucht habe.
Ich geh dann glaubich mal ins Bett.

Vorläufige Bilanz:
- Das Sterben, die Politik, die Liebe, die Mathematik und das Lesbischsein sind gar nicht so einfach
- Italien ist im Frühling traumhaft schön - saftgrün und blühend
- V. und G. sind zwei so verschiedene, so phantastische Frauen, daß es richtig wehtut, sie so weit weg zu wissen.

- - -
*alle in diesem Post genannten Gespräche wurden nicht weniger anstrengend dadurch, daß sie auf Italienisch stattfanden, das ich inzwischen ziemlich gut kann, das mir aber immer noch eine deutlich erhöhte Prozessorleistung abverlangt

Dienstag, 5. April 2011

totally braindead

Das ist der vorläufige Höhepunkt dieses geistigen Tiefpunkts:
Heute abend bin ich mit zwei völlig verschiedenen Schuhen (einer schwarz, einer hobbit) in den Chor gegangen.
Und habe es erst zuhause beim Ausziehen gemerkt.
Rette mich, wer kann.

Samstag, 2. April 2011

okay, selber schuld...

Der Werkstattrechner will neu aufgesetzt werden. Okay. Und ich jubele noch über Knoppix (das mir zumindest das Backup leicht gemacht hat) und sage zu dem Mann, daß ich eigentlich ganz gerne neu installiere: Das ist wie umziehen, man kann eine Menge Ballast abwerfen, neue Vorhänge aufhängen und alles ist ein bißchen neu und sauber und im Idealfall sogar schneller.
Schon klar, aber sowas darf man nicht laut sagen!!

Zwei Tage später hängt sich dann das kleine Wunderhandy auf (das mir in der Werkstatt zumindest Zugriff zum Internet und meiner Kundendatei verschafft hat). Kein Problem, das hab ich alles parat und einschließlich der ganzen zusätzlichen Programme in ein paar Stunden wieder maßgeschneidert zurechtkonfiguriert.

Aber daß heute auch noch der neue tolle fette Rechner zuhause nicht mehr booten will, oder genauer: nur noch manchmal ein bißchen booten will, gibt mir jetzt echt den Tropfen, der das Faß, und so.
Ich hab heute nur ein paar erste Tricks ausprobiert und es dann als Zeichen interpretiert, daß ich auf dem Balkon gehen und in der Sonne sitzen und lesen soll, aber morgen muß ich da ran, einen wirklich funktionierenden Rechner brauche ich!

Samstag, 26. März 2011

Was hat denn diese Frau eigentlich alles in ihrer Handtasche [1] - Eine Knoppix-CD

Neben Schafilo sollte ich vielleicht noch einen weiteren meiner charakteristischen Begleiter vorstellen: Inky.

Inky ist meine Handtasche.
Den Namen hat ihr der Mann verliehen, nachdem er sie "bitte mal kurz halten" sollte.
"Inky" ist die Kurzform für "incudine"; das ist italienisch und heißt "Amboss", was der Mann auf den Tragekomfort und das Gewicht bezieht...
Inky wechselt alle paar Jahre die Gestalt, lange Zeit war sie ein Rucksack, im Moment ist sie eine große Umhängetasche. (Ich erkenne mich übrigens in den Personenbeschreibungen in dem Buch "Generation Umhängetasche" durchaus wieder, teile aber die Wertung des Autors nicht...) Schon im Grundschulalter habe ich immer Dinge mit mir rumgeschleppt, die ich für das "Überleben in der Wildnis" für nützlich hielt, früher waren es eher YPS-Heft-Gimmicks, und heute sind es...:

[1] Eine Knoppix-CD
Zu den Dingen, die mir, obwohl ich sie selten nutze, das Leben deutlich entspannter gemacht haben, gehört Knoppix.
Das ist eine CD mit bootfähigem Linux, also ein PC-Betriebssystem à la Reinsteck-und-freu.
(Inzwischen gibt es ja mehrere Live-Linux-Distibutionen, aber Knoppix war eben die erste, deshalb hänge ich noch ein bißchen daran.)
Das gibt mir einfach die Sicherheit, jederzeit und bei jeder Art von absurdem Treiber- oder Softwareproblem zumindest sofort an dem jeweiligen PC die gespeicherten Dateien nutzen, sichern und damit sogar irgendwie arbeiten zu können.

Wie komm ich jetzt grade drauf? Gestern morgen hat mein Werkstattrechner beschlossen, nicht mehr zu booten.
Ich habe ihn jetzt über Wochenende mit heimgenommen, um zu gucken, was das soll; aber im laufenden Betrieb hatte ich keine Zeit dafür und brauche ihn aber.... was tun?

Knoppix reinstecken, von CD booten, und schon steht ein Betriebssystem, das zwar ungewohnt und quälend langsam ist (weil von CD), aber das eine grandiose Treibervielfalt mitbringt, auch krassere Peripheriegeräte erkennt und mir normalerweise, wenn Infrastruktur vorhanden, sofort ins Internet hilft.
Also innerhalb von 5 Minuten habe ich wieder Internet, kann meine Daten sichern, komme an meine Buchhaltung, kann mit Open Office meine Rechnungen drucken und mich dann später in Ruhe dem Problem widmen.
Hilft natürlich nicht bei Hardwarekrankheiten...

Sonntag, 6. März 2011

Skype

Ich muß mich noch daran gewöhnen, daß unser Wohnzimmer videoüberwacht ist.

Jedenfalls, wenn der Mann skypet.
Meine gedankenlose Durchquerung des Wohnzimmers in frischgeduschtem und dementsprechend unbekleidetem Zustand hat jedenfalls gerade irgendwo in Rom einen netten Bekannten erfreut oder zumindest erheitert, und mich dann doch erstaunlich verlegen gemacht...

Nicht, daß ich nicht hätte auf die Idee kommen können; ich kenne das Setting ja und habe gesehen, daß er videotelefoniert... vielleicht hätt ich es sogar aus gewolltem Nonkonformismus und Spaß an der Provokation ABSICHTLICH machen können.
Aber da ich es eben nicht absichtlich gemacht hab, war es mir doch erheblich peinlich. Aber dem netten Bekannten auch. Und dem Mann wohl am meisten.

Mittwoch, 2. März 2011

Hörbuch privat

Die geliebte Schwester hat mir in den letzten Tagen den Fremden von Camus fast komplett am Telefon vorgelesen. Ja, wir sind ein bißchen seltsam, aber das war eine Win-Win-Situation.

Jetzt sitz ich hier aufgelöst und tief ergriffen von einem Buch, das ich schon mal in der Schule gelesen habe, wo es mir trotz aller Bemühungen motivierter Französischlehrer, überhaupt NICHTS gesagt und mich ziemlich angeödet und abgestoßen hat.
20 Jahre später trifft jeder dritte Satz ins Schwarze; ich möchte höhnisch lachen, oder weinen, oder fragen und mehr verstehen. Da ist irgendwas drin, was ich suche; ich kann es aber noch nicht festmachen.

Freitag, 4. Februar 2011

Hüte.

Menschen sind so verschieden.

Woher zum Beispiel soll ein Verkäufer wissen, ob er im Laden stöbernde Kunden helfend ansprechen soll (was bei Menschen wie mir zu einem sofortigen Fluchtreflex mit Konsumverweigerung führt - wenn ich was wissen muß, frage ich, danke.) oder passiv bleiben (was z.B. eine ältere Kollegin von mir dazu bringt, sich über einen Mangel an Service und menschlicher Wärme zu beklagen).

Da fände ich es extrem praktisch, wenn z.B. neben der Eingangstür des Geschäfts zwei große Stapel alberner spitzer Hüte in rot und grün stünden, und wenn man beraten werden will, setzt man sich einen grünen auf, wenn man in Ruhe gelassen werden will, einen roten. Tolle Idee, oder?

Mir fallen noch viele weitere Anwendungen ein:

Unter meinen Kunden gibt es solche, die man glücklich macht, indem man ihnen das Musterbuch mit den 27 Farben zeigt - sie suchen sich dann sofort die Richtige aus -, und andere, die die Auswahl komplett erschlägt und denen man einfach sagen muß "Das würd ich in rot machen, okay?"
Blaue Hüte = Ich kann Entscheidungen, gelbe Hüte = Ich nicht.

Oder Menschen, denen man sagen muß: "Das ist wichtig, jetzt kommts drauf an!", damit sie sich richtig anstrengen und ein tolles Ergebnis liefern, im Gegensatz zu Menschen wie mir, die normalerweise schon zu Perfektionismus neigen, aber wenn man noch ein bißchen Druck draufsetzt, in Panik geraten, alles runterwerfen, sich einsauen und im Vorbeigehen den dritten Weltkrieg provozieren.
Lila Hüte, orange Hüte...?

Oder Menschen wie mich, die im Zug sitzen und sich ein Buch vors Gesicht halten, weil sie lesen möchten, entgegen der weitverbreiteten Annahme, daß ich mir ein Buch vors Gesicht halte, weil ich mich wirklich gerne übers Wetter unterhalten möchte. Ach nee, das ist ein anderes Problem. Aber generell: Menschen, die grade gerne angesprochen werden und Menschen, die ihre Ruhe haben möchten.

Oder Menschen, die auf Männer stehen und Menschen, die auf Frauen stehen...
(*Nachtrag, 2014: Das find ich inzwischen doof. So einfach ist das nicht, und ich will auch keine Hüte anbieten, die nahelegen, es wäre so einfach oder sollte so einfach sein.)

Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und die Welt würde soviel einfacher (bis auf das Hutmanagement).
Und BUNTER.
;-)

Dienstag, 11. Januar 2011

Wahrnehmungsverschiebung

Heute kam das Gespräch mit einem befreundeten Antiquar auf das Buch "Zeig mal!", das ich auch zuhause habe.
Es ist ein Aufklärungs-Fotobuch von 1974 für und mit Kindern, das aus sehr großformatigen, schönen Schwarz-Weiß-Fotos und kurzen, dialogartigen Texten, meist Kommentaren der Kinder zu dem, was sie über Sex und Liebe wissen und denken, besteht.

Ich habe es als Grundschulkind und Teenager gerne angeschaut; es vermittelte mir einen ruhigen, entspannten, fröhlichen, liebevollen Umgang mit dem Körper, die Bilder sind sehr ästhetisch und natürlich gibt es, was meiner Neugier entgegen kam, auch einige sehr klare Nahaufnahmen sowohl von den Kindern als auch von Erwachsenen beiderlei Geschlechts.
Auch in einem Alter, in dem ich schon über den Anblick einer Banane hysterisch gekichert habe, habe ich es nicht als obszön empfunden, sondern einfach nur als Beschreibung von etwas Natürlichem, Schönem.

Ich habe sicher 15 Jahre nicht mehr daran gedacht und war völlig überrascht, von besagtem Antiquar (und, nachforschend, wikipedia) zu erfahren, daß das Buch heute schwer zu bekommen ist, weil es in den Verdacht der Nähe zur Kinderpornographie gerückt wurde und es mehrere (gescheiterte) Indizierungsanträge gab, in einigen US-Bundesstaaten ist der Besitz strafbar und so weiter.

Und ich steh wieder mal zweifelnd und kopfschüttelnd da und denke: Irgendwas stimmt einfach nicht.
Bei aller Abscheu vor Kindesmißbrauch und Leuten, die sich an daran aufgeilen, und obwohl mir klar ist, daß die Grenzen zwischen körperlichen Zärtlichkeiten und Mißbrauch fließend und deshalb heikel sein können zwischen Erwachsenen und Kindern, find ich es einfach traurig, daß wir uns als Gesellschaft von dieser seltsamen Hysterie so etwas Schönes wie dieses Buch so verschwurbeln lassen.
Und verstehe nicht, wie eine solche Darstellung einer selbstbestimmten, fröhlichen Entdeckungsreise auch nur die geringsten Zweifel an der Legalität auslösen kann, während z.B. irgendwelche Vergewaltigungsdarstellungen in Pornos völlig unproblematisch sind, solang nur alle Beteiligten 18 sind.

Nachtrag:
Weiter darüber nachgooglend habe ich einen schönen Artikel [pdf] darüber gefunden. Da sind auch ein paar von den Bildern drin. Ich hoffe, mein blog wird jetzt nicht wegen Links auf kinderpornographische Inhalte gesperrt. *kopfschüttel*

Dazugekommen

Huch, eigentlich gibt...
Huch, eigentlich gibt es das Blog doch schon gar nicht...
madove - 27. Jun, 16:07
Ein Lebenszeichen! Wie...
Ein Lebenszeichen! Wie schön!
Conradin - 25. Jun, 21:58
Hach, Gesprächsfetzen....
Hach, Gesprächsfetzen. <3 Mein Radio.
rebekka (Gast) - 2. Sep, 20:43
Echt?
Mal testen. Hm.
David (Gast) - 27. Mai, 17:24
yeeeeey
ich bin gerade so strahlefroh!! geil, dass das ein...
tonja (Gast) - 8. Mär, 15:46
Das ist ja schon witzig......
Das ist ja schon witzig... Du hast wirklich sehr sehr...
madove - 19. Jan, 22:00

Über mich

"Ma dove?" ist italienisch und heißt "Aber wo?".
Der "Name" ist eigentlich zufällig an mir hängenge-blieben, paßt aber bestechend:
Ich suche.
Den Sinn des Lebens, meinen Platz in der Welt, meinen eigenen Stil, und eigentlich ständig meinen Schlüsselbund. Bislang mit mäßigem Erfolg, aber unverdrossen.
Um herauszufinden, was ich denke, lese ich gerne hier nach. Dafür muß ich es aber erst schreiben.
Daher das blog.


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