Samstag, 2. Juni 2012

Ich mein ja nur...

Für den Fall, dass der Staat, wo ich arbeite, einem zweiten Staat, wo andere Leute arbeiten, den Krieg erklärt, erkläre ich diesen Leuten heute schon den Frieden.


Diesen Aufkleber hatte ich jahrelang an meiner Zimmertür kleben; ich hab der Aussage eigentlich immer noch nichts hinzuzufügen.

Irgendein seltsames Bauchgefühl sagt mir angesichts der Nachrichtenlage, daß er jetzt mal tatsächlich nützlich wäre, an unserer Wohnungstür, gegenüber von der Wohnungstür unseres syrischen Mieters...
Für den Fall, dass der Staat, wo ich arbeite, einem zweiten Staat, wo andere Leute arbeiten, den Krieg erklärt, erkläre ich diesen Leuten heute schon den Frieden.

Donnerstag, 31. Mai 2012

Wir sind alle Individuen!

Meinem Gefühl nach war das so ein ganz spontaner Impuls von "Hach, erzähl halt mal wieder irgendwas Abgefahrenes über Dich, dafür hast Du doch das Blog", der mich dazu gebracht hat, die Sache mit der Slash Fiction zu erwähnen. Ich lese sowas seit vielenvielen Jahren, phasenweise, und habe noch nie mit irgendjemandem darüber gesprochen, und dachte jetzt, so ganz spontan und unabhängig und einer individuellen Laune folgend, ich schreibs mal ganz mutig und guck was passiert.

Und stelle überrascht und leicht enttäuscht fest, mit beiden Füßen fest auf dem Boden des mainstream zu stehen: Heute trägt mir mein podcatcher automatisch die neueste Folge Chaosradio auf meinen Player, und worum geht es?
Fanfiction und Slash.
Es muß irgendwas mit Sherlock zu tun haben, der John/Sherlock(oder auch liebevoll "johnlock")-Fiction geradezu provoziert, und mit dem offenen, fast ermutigenden Umgang der betroffenen Schauspieler mit dem Phänomen (meines Erachtens zumindest wirtschaftlich eine absolute Gewinnstrategie), daß das Thema jetzt plötzlich salonfähig ist.

Also, diese Chaosradio-Folge brachte mir Erkenntnis Nummer eins: Ich bin Teil der Herde. Viel mehr, als ich dachte. Ob ich will oder nicht. Und ich will nicht. Aber Zufall ist eine extrem weit hergeholte Ausrede.

Zweitens aber hat die Sendung mich komplett vom Hocker gehauen, weil die anwesende "Expertin" für Slash überhaupt nicht ernsthaft zu Wort kam, weil die Sendung komplett überrannt wurde von erwachsenen, männlichen Anrufern, die mit Rührung in der Stimme berichtet haben, wie die Zeichentrickserie "My little Pony" und die dazugehörige Fangemeinde ihr Leben verändert hat. Wie sie dadurch gelernt haben, sich selbst und andere zu lieben und das Leben positiv zu sehen. Echt.
Wtf??? Ich bin immer noch nicht sicher, ob das ein Fake ist?!
Im Vergleich dazu sind die schmachtenden Slashfictionmädchen rational und sachlich...?!

Ich meine, schon klar, ich kenne das Mem mit den Ponies. Ich persönlich verzeihe den blöden Viechern nicht, daß alle Mädchen in meiner Klasse diese Plastikdinger mit den kämmbaren Mähnen hatten und ich nicht, auch wenn ich eh keins gewollt hätte, jawoll.
Aber ich dachte immer, die Begeisterung der männlichen Geeks Anfang 30 wäre natürlich eine ironische, und es wäre Kult in seiner Trashigkeit, aber diese Sendung hat mir ein ganz anderes Bild vermittelt. Wenn ich sie richtig verstehe, schreiben sie getreu Regel 34 auch erotische Fiction dazu, und schon bei dem Versuch, mir das vorzustellen, passieren komische Sachen mit meinem Gehirn, aber diese Erweckungserlebnisse gruseln mich noch mehr.
Ich meine, ich dachte immer, wenn ich mal groß bin, werd ich Geek in Berlin oder so. Das scheint mir jetzt deutlich weniger reizvoll.

Ich bin besorgt.

Mittwoch, 30. Mai 2012

Erkenntnis des Tages:

Ich darf.

Aber ich muß nicht.

Aber ich darf.

Jetzt mal so ganz allgemein.

Dienstag, 29. Mai 2012

Okay, okay, und weil er zu lange nicht vorbeigeht,

...sei hier auch mein aktueller DreiSiebentagescrush für Sherlock (BBC) explizit erwähnt.

Und das, obwohl ich eigentlich schon vor langer Zeit mein Herz an Jeremy Brett verloren habe.
Und den Neuen nur angeschaut habe als gigantischen Vertrauensbeweis in den Geschmack meiner Schwester, die mich in den letzten 10 Jahren (also seit sie ~15 ist) eigentlich nie mit einer Empfehlung enttäuscht hat.
Widerwillig. In der festen Absicht, diesen modernen Schnickschnack blöd zu finden und als Sakrileg verdammen zu können.

Und es geht nicht.

Ich find ihn einfach phantastisch gemacht, in jeder Hinsicht.
Die modernen Elemente sind eine Bereicherung und nicht peinlich übergestülpt.
Und während Jeremy Bretts Sherlock für mich ungeschlagen bleibt, ist hier Martin Freemans Watson ist ein echter Gewinn gegenüber der blassen Hintergrundgestalt von früher, mit dieser schönen, zartherben Freundschaft zwischen den beiden; die Dialoge und überhaupt das Screenplay sind genial, und mit ein bißchen Widerstand und Gewöhnung bin ich dann durchaus auch von Benedict Cumberbatch als Sherlock äußerst angetan, auch wenn mich die Ohnmachtsanfälle der Damen in seinen Fanclubs etwas überraschen - für mich kommt der größere Teil des definitiv vorhandenen Sexappeals aus der Rolle und dem Drehbuch und nicht so sehr von dem Mann an sich; brainy is the new sexy. Obwohl, seine Stimme trägt schon auch dazu bei...

Und wie schön, einmal mit einem Crush nicht allein zu sein:
Nach sechs Abenden mit den sechs Folgen, davon die letzte mit einem gemeinsam erzeugten Stapel vollgeschniefter Taschentücher zwischen uns, starren wir am siebenten Abend auf den Bildschirm und fragen uns, was wir jetzt gucken, ohne einen schmerzhaften Qualitätsabstieg ertragen zu müssen.
Da hält der Mann den Kopf schief und fragt vorsichtig: "Und wenn wir sie einfach nochmal anschauen?"

I always hear ‘punch me in the face’ when you’re speaking, but it’s usually subtext.

Demnächst gibs hier bestimmt auch mal wieder irgendwas anderes als begeistertes Geschwurbel zu Produkten der Unterhaltungsindustrie - aber, wie gesagt, Eskapismusbedarf und so. Ich lerne gerade, mir das zu erlauben und zu verzeihen, da müßt Ihr halt mit durch.

Samstag, 26. Mai 2012

Guilty Pleasures

Zu den kleinen Dingen, die ich an mir selber am wenigsten verstehe, gehört meine Begeisterung für Slash Fanfiction (Neil beschreibt das Phänomen ganz gut). Das ist keine aktive, gezielte Begeisterung, eher im Gegenteil - etwas, das mir passiert, öfter mal, meist aus einem Dreitagescrush heraus, manchmal löst es ihn auch erst aus.

Also ich wüßte überhaupt nicht, was mich daran interessieren sollte, seitenlange, qualitativ manchmal wechselhafte, aber dafür oft extrem ...detaillierte Beschreibungen von homoerotischen Begegnungen zwischen dafür nicht vorgesehenen männlichen Charakteren irgendwelcher Serien oder Filme zu lesen und mich dadurch emotional komplett aufwühlen zu lassen. Wohlgemerkt emotional, es geht (zumindest mir) dabei weniger um die Funktion, die Internetpornos sonst so erfüllen...

Aber noch mehr, als daß ich einen Hau habe (daran hab ich mich inzwischen gewöhnt), wundert mich eigentlich, daß das ein Phänomen zu sein scheint. Also daß es wirklich viele Frauen gibt, und ich entnehme den einschlägigen Kommentaren, daß es überwiegend Frauen, aber aller Altersklassen, Nationalitäten und Bildungsschichten sind, die sich Nächte damit um die Ohren hauen, sich schwule Romanzen zwischen Spock und Kirk, Picard und Data, Harry und Draco oder Holmes und Watson auszudenken, und diese liebevollst in Worte, Zeichnungen oder Videos zu fassen.

Ich bin da nur passiv als Konsumentin zugegen, aber irgendwann muß ich die anderen Frauen mal fragen, ob sie sich eigentlich genauso absurd und bescheuert dabei vorkommen, oder ob sie für sich eine Erklärung gefunden haben, was das für ein Bedürfnis oder für eine Sehnsucht ist, die sich so manifestiert. Ich steh jedenfalls immer kopfschüttelnd neben mir und warte fast ungeduldig, bis es wieder vorbei ist.

Freitag, 25. Mai 2012

Ich. Muss. Adorno. Lesen.

Aber wann, wann, wann mach ich denn das bloß?

Sonntag, 20. Mai 2012

Sex und Gewalt

Das erste Mal aufgefallen ist mir das Phänomen auf unserer Abifeier, 1996, beim unvermeidlichen Anschauen des unvermeidlichen "Abifilms", irgendeines seltsamen Machwerks von vier oder fünf der meinungsbildendsten und trinkfestesten Jünglinge aus unserem Jahrgang, in dem in sehr trashiger Weise an einen James-Bond-Film angelehnt irgendwelche Insiderwitze aus unserer ihrer Schulzeit verbraten waren.
Bei der Veranstaltung war meine damals knapp achtjährige Schwester dabei, und sie saß neben mir, und daneben eine befreundete Klassenkameradin.

Das Ganze bestand also überwiegend aus Szenen, in denen die Darsteller wild schießend und schreiend hintereinander herliefen, sich gegenseitig beschimpften und Plastikpistolen aufeinander richteten, und schreiend und sich krümmend "tot" umfielen.
Allerdings gab es auch eine Szene, in der einer der Jungs stark geschminkt und mit zwei Luftballons unter der Bluse auf dem Bond-Darsteller rumrutschte und seltsame Geräusche machte - in voller Bekleidung, aber offensichtlich in entfernter (und sachunkundiger?) Anlehnung an das, was Bond wohl mit den Bond-Girls gemacht haben wird.

Und bei dieser Szene meinte sich also die liebe Klassenkameradin herüber beugen und meiner Schwester die Augen zuhalten zu müssen.

Ich habe viele Jahre Zeit gehabt, darüber nachzudenken, und mir fällt immer noch kein einziger, noch so wohlwollender und verständnisvoller Grund ein, warum man auf die Idee kommen könnte, sowas könne einem Kind schaden, und dann auch noch mehr schaden als der tendenziell aggressive Rest der Storyline (der ihr aber sicher auch nicht geschadet hat).

Negative Auswirkungen von Gewaltdarstellungen auf Kinder oder sonstwen sind ein komplexes Thema - ich bin selber furchtbar sensibel, und ich habe immer sehr schnell Angst bekommen als Kind und bis heute, wenn auch eher vor charakterlicher Brutalität als vor der tatsächlich gezeigten. Ich glaube nicht, daß Tatort-Fälle oder Killerspiele Kinder zu Amokläufern machen, aber ich glaube auch nicht, daß es das Beste für ein Kind ist, seine Jugend in virtuellen düsteren Räumen fröhlich vor sich hin mordend zu verbringen. Frische Luft und so, Ihr wißt schon. Aber darum gehts mir hier gar nicht.

Sondern das mit dem Sex.
Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger leuchtet mir ein, warum die Darstellung irgendeiner Art von Sex, die erkennbar im gegenseitigen Einverständnis stattfindet, einem Kind irgendwie schaden sollte. Angenommen, du gingest mit Deinem Kind durch den Park, und irgendwo auf einer Decke lägen, wasweißich, fünf Menschen dreierlei Geschlechts weitestgehend unbekleidet, in mehr oder weniger interessanten Positionen mit und ohne Spielzeug und hätten sich offensichtlich lieb und eine Menge Spaß - mir fällt einfach kein Problem ein.
Je nach Alter und Interesse des Kindes wäre vielleicht eine Erklärung (falls es sich überhaupt wundert. Aber kleine Kinder sind gewöhnt, daß Erwachsene noch viel absurderes Zeug machen) sinnvoll, und später ggf. natürlich Informationen über Schwangerschaften und Safer Sex und so, klar, aber sonst?

Sex (soweit einvernehmlich. Sonst ist es eben wieder kein Sex, sondern Gewalt.) ist etwas Nettes, was Menschen machen, um sich selber und den ggf. anderen Beteiligten eine Freude zu machen. Es hat, wenn man auf Verhütung etc. achtet, von sich aus keinerlei schädliche Aus- oder Nachwirkungen auf die Beteiligten oder die Umwelt, schadet niemandem und ist wesentlich weniger scheiße als eine Menge anderer Arten Spaß zu haben, wie zB Sportwagenfahren, Treibjagd oder Komasaufen.

Die Idee, bei der Alterseinstufung von Kultur eine Tätigkeit, die völlig normal (im Sinne von menschlich. Nicht im Sinne von Missionarsstellung im Dunkeln), im Idealfall für alle Beteiligten extrem erfreulich und generell unschädlich ist, in eine Schublade zu werfen mit der Darstellung von Gewalt, die per definitionem für zumindest einen der Beteiligten schmerzhaft oder tödlich ist und die also durchaus geeignet ist, Angst zu machen oder vielleicht auch, Vorbild für Handlungen zu sein, die die Welt nicht schöner machen, erscheint mir wirklich komplett absurd.

Habe ich irgendwas übersehen, oder ist das wirklich einfach nur ein Überbleibsel von verklemmter, zum Teil religiös geprägter, konservativer Sexual"moral"? Die wiederum vielleicht auch dadurch erklärbar ist, daß es funktionierende Verhütung noch nicht so furchtbar lange gibt und vorher Sex also für Frauen und ihre Familien und die Gesellschaft eben nicht die heitere folgenlose Erfahrung war, die er heute sein kann? Aber das spräche ja zB eher für Selbstbefriedigung oder Homosexualität, die aber ja noch schlimmer geahndet wurde?
Ich verstehs einfach nicht.

Dazugekommen

Huch, eigentlich gibt...
Huch, eigentlich gibt es das Blog doch schon gar nicht...
madove - 27. Jun, 16:07
Ein Lebenszeichen! Wie...
Ein Lebenszeichen! Wie schön!
Conradin - 25. Jun, 21:58
Hach, Gesprächsfetzen....
Hach, Gesprächsfetzen. <3 Mein Radio.
rebekka (Gast) - 2. Sep, 20:43
Echt?
Mal testen. Hm.
David (Gast) - 27. Mai, 17:24
yeeeeey
ich bin gerade so strahlefroh!! geil, dass das ein...
tonja (Gast) - 8. Mär, 15:46
Das ist ja schon witzig......
Das ist ja schon witzig... Du hast wirklich sehr sehr...
madove - 19. Jan, 22:00

Über mich

"Ma dove?" ist italienisch und heißt "Aber wo?".
Der "Name" ist eigentlich zufällig an mir hängenge-blieben, paßt aber bestechend:
Ich suche.
Den Sinn des Lebens, meinen Platz in der Welt, meinen eigenen Stil, und eigentlich ständig meinen Schlüsselbund. Bislang mit mäßigem Erfolg, aber unverdrossen.
Um herauszufinden, was ich denke, lese ich gerne hier nach. Dafür muß ich es aber erst schreiben.
Daher das blog.


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